Joss-Fritz-Schule Untergrombach bei Bruchsal
Modellfotos
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Thema
Die 1969 fertiggestellte Joss-Fritz-Schule ist wie viele Schulen aus dieser Zeit stark sanierungsbedürftig und entspricht weder heutigen baukonstruktiven, insbesondere energetischen Standards,
noch den zukünftigen räumlichen Anforderungen.
Bei der Joss-Fritz-Schule handelt es sich derzeit um eine 3- zügige Hauptschule. Aufgrund des demographischen Wandels ist dieser Bedarf in Zukunft nicht mehr gegeben.
Da auch an anderen Schulen in Bruchsal Veränderungen notwendig sind, wird derzeit eine grundlegende Neuordnung der Schulstandorte Bruchsal vorgenommen. Aus verschiedenen Planungsalternativen ergibt
sich ein Raumprogramm für einen neuen Schulkomplex auf dem Areal der Joss-Fritz-Schule bestehend aus einer 1-zügigen Hauptschule, sowie je einer 2-zügigen Real- und Grundschule.
Der bestehende Gesamtkomplex setzt sich aus dem Schulgebäude sowie einem eigenständigen Turn- und Schwimmhallenkomplex zusammen. Während ersterer komplett abgebrochen werden soll, ist zumindest das
Untergeschoss des Turn- und Schwimmhallengebäudes zu erhalten, da dort vor wenigen Jahren eine moderne Heizanlage für Holzpellets eingebaut worden ist. Die Schwimmhalle wird seit Jahren nicht mehr
benutzt und kann umgenutzt oder abgebrochen werden. Bei der Turnhalle, die prinzipiell den Nutzungsanforderungen entspricht, ist zu prüfen, ob diese in den zu planenden Neubau integriert werden kann
oder ob diese durch einen Neubau ersetzt werden muss.
Bilder des Bestandes
Schulbau heute
Die Entwurfsaufgabe ist gekennzeichnet durch das Spannungsfeld von starren Schulbaurichtlinien, deren Einhaltung Voraussetzung für die staatliche Förderung ist und moderneren, offeneren Schulformen,
wie sie im Ausland (z.B. in Finnland, Schweden oder auch in der Schweiz...) anzutreffen sind.
Da es derzeit schwierig ist sich über die bundesdeutschen Planungsrichtlinien hinwegzusetzen, es andererseits aber in Zukunft nach Auffassung zahlreicher Experten unabdingbar sein wird völlig andere
pädagogische Konzepte zu realisieren, die auch andere Gebäudeformen bedingen, wird es wohl darauf ankommen Gebäude zu entwickeln, die größtmögliche Anpassbarkeit und Flexibilität mit einer
charakteristischen Gestalt vereinen.
Luftaufnahme des bestehenden Schulkomplexes in Untergrombach
Lageplan mit neuer Schule und neuen Wohnhausreihen
Städtebauliche Betrachtung
Markante städtebauliche Richtungen weisen hauptsächlich die Kanten der Wohnhäuser entlang der Wendelinusstrasse, der Anton-Bruckner Strasse und die Bebauung im Nord-Westen auf. Dadurch abgeleitet
soll der rechte Winkel zu einem maßgeblichen Entwurfselement der zu entwickelnden Struktur werden.
Es soll eine Form entstehen, die die Lärmbelästigung für die umgebende Wohnbebauung minimiert, sich also nach innen orientiert und so auch gleichzeitig den Schülern durch eine gemeinsame Mitte
Geborgensein vermittelt. Dennoch soll sie keinen Fremdkörper für die Umgebung darstellen, was durch angepasste städtebauliche Höhen und Volumina und nicht zuletzt durch eine entsprechende Farbgebung
erreicht werden soll. Die Form soll sowohl Standhaftigkeit als auch Leichtigkeit vermitteln.
Die neue Wohnbebauung nimmt ebenfalls Kanten von Bestand und Neubau auf. Diese wird durch eine neue Strasse erschlossen, die das Areal in zwei Teile gliedert. Sie ist aufgrund von Lärmschutz und
Schutz der Schüler als Spielstrasse ausgelegt. Das Schulgebäude soll an der Joss Fritz Strasse seinen Hauptzugang und im Westen von der der Dresdener Strasse einen zweiten schmaleren Zugang
haben.
Bauablauf
Der bestehende Schwimm- und Turnhallenkomplex wird zunächst abgerissen. Der Heizungskeller mit seiner modernen Holzpellet - Heizungsanlage wird erhalten.
Nach deren Fertigstellung der neuen Schule kann der Umzug aus der alten in die neue Joss Fritz Schule beginnen. Anschließend wird die alte Schule abgerissen und an ihrer statt 8 Gartenhofhäuser
erstellt deren, Veräußerung zur Finanzierung der neuen Schule beitragen soll.
Gundriss Erdgeschoss
Form und Struktur des Entwurfs
Grundlage des Entwurfs bildet ein Sockelgeschoss, welches sich mit anthrazit eingefärbten Betonsteinplatten verkleidet, 2,50m als massives Bauteil aus dem Boden erhebt und welches als tragendes und
verbindendes Element für die folgenden Aufbauten fungiert. Aus der Sockelmitte ist ein großzügiger Hof ausgeschnitten, dessen Sohle -1,50m unter Strassenniveau liegt und als Schulhof dienen
soll.
Auf dem Sockel befindet sich der Grundschulkomplex, der Haupt- und Realschulkomplex und die Sporthalle mit aufgesetztem Verwaltungs- und Mediothekstrakt.
Der frei bleibende Raum auf dem Sockel dient ebenfalls als Schulhofbereich.
Die drei leicht wirkenden Stahl-Glas-Aufbauten die mit einer grün-gelb, betont transparenten Fassade überzogen sind, kontrastieren stark mit dem schweren Sockelbau und schaffen an sonnigen, wie
auch an trüben Tagen eine freundliche und energievolle Atmosphäre.
Grundrisse
Das Schulareal wird entweder über die großzügige Haupteingangstreppe, die auch als Sitztreppe mit Blick auf den Michaelsberg genutzt werden kann, oder über die Eingangstreppe im Westen, durch einen
schmalen sich dem in den Gesamtkomplex öffnenden Durchgang betreten.
Auf dem teilweise mit Sträuchern begrünten Podest angekommen findet man nun leicht die Haupteingänge zu den drei Gebäudeteilen, die sich als massive in die Glasfassade eingestellte Quader
präsentieren. Zwei Außentreppen führen vom Podest direkt in den tiefergelegenen Schulhof. Auch hier wird man viel grün in Form von Bäumen finden, deren freundliche und frische Wirkung sich in den
umgebenden Fassaden wiederspiegelt.
Grundriss 1.OG
Grundriss 2.OG
Das ‘Sockelgeschoss’
Im Sockelgeschoss sind alle gemeinsamen Nutzungen untergebracht. An die vom Schulhof durch eine Glasfassade getrennte Aula grenzt der Musikraum mit Instrumentenraum. So sind Instrumente für Proben
und Aufführungen direkt vor Ort.
In der Nordöstlichen Ecke befindet sich der Computer- und Serverraum. Entlang der Nordseite erstreckt sich der künstlerisch - handwerkliche Bereich: hier sind zwei Kunsträume, Werkräume, teilweise
mit Maschinen ausgestattet und ein Raum für Textiles Werken. Ausreichend Materialräume sind ebenfalls vorhanden.
Der Kunstbereich wird durch den naturwissenschaftlichen Bereich auf der Südseite gespiegelt. Vier Chemie, Physik und Biologie Kursräume stehen der Schule zur Verfügung. Diese werden durch einen
weiteren Übungsraum und einen Mehrzweckraum ergänzt. Im Südwesten des Sockelgeschosses findet man den Hauswirtschaftsbereich mit Lehrküche, Unterrichts- und Vorratsraum sowie einen
Putzmittelraum.
Die Mensa mit zugehörigen Küchenräumen ist spiegelbildlich zur Aula an den Schulhof angegliedert. Das bietet die Möglichkeit bei gutem Wetter auch draußen zu essen.
Der Schulhof ist mit fest installierten Lärchenholzmöbeln ausgestattet, die die L-Form als ein zentrales Element des Entwurfs aufgreifen und zum Sitzen, Liegen, Lernen und Spielen dienen. Außerdem
bieten sie die Möglichkeit den Unterricht im Freien zu gestalten.
Im Sockelgeschoss findet sich auch der Eingang zum Sporthallenbereich. Die große, teilbare Sporthalle mit Umkleiden und Geräteraum schafft Unabhängigkeit von anderen externen Sporthallen und kann ein
ausreichendes Sportangebot an der Joss Fritz Schule garantieren.
Außenanlagen
Den Eingangsbereich der Schule bildet ein großzügiger, trapezförmiger Vorplatz, dessen festinstalliertes Lärchenholzmöbel zum Sitzen und Warten einlädt. Außerdem findet man hier genügend Platz um
sein Fahrrad abzustellen. Als barrierefreier Zugang und zur Anlieferung dienen zwei Rampen entlang der Südfassade des Gebäudes. Die Holzpellets für die Heizungsanlage werden über den neuen Weg im
Norden des Geländes angeliefert. Lehrer- und Besucherparkplätze werden zusätzlich zur bestehenden Parkierung an der Joss Fritz Strasse, entlang der neuen Spielstrasse angeboten.
Konstruktion
Die Fassade des Sockelbaus ist mit anthrazitfarben eingefärbten Betonsteinplatten verkleidet, welche anhand von Trageankern an den massiven Betonwänden befestigt werden.
Das farbige Patchwork der Glasfassaden entsteht sowohl durch den abwechselnden Einsatz von klarem Glas und zwei Buntglastönen, die als transparente keramische Schmelzfarbe in die Scheiben eingebrannt
werden, als auch durch geschlossene grüne und grüngelbe Fassadenelemente, bestehend aus glasverkleideten Metallpaneelen.
Die hochwertige Isolierverglasung mit Sonnenschutzbeschichtung plus einem zusätzlich innenliegenden Sonnenschutz sorgen für ein angenehmes Raumklima.
Verwendete Materialien
Der Boden besteht aus einem geflügelten Estrich, die Trennwand aus Buchenholz. Die übrigen Wände sind weiß verputzt. Die Decke ist mit weißen Akustikdeckenelementen abgehängt. Auf diesen, bewusst
neutral wirkenden Materialien kommt das farbige Licht, das durch das eingefärbte Glas in die Klassenzimmer fällt diskret zur Wirkung. Jedes Klassenzimmer bekommt durch die unterschiedliche Anordnung
der Buntglasscheiben seinen eigenen Charakter. Über die Glaslamellen in den Flurwänden fällt weiteres Licht ins Klassenzimmer, welche zudem die Möglichkeit des Querlüftens bieten.
Schnitte und Ansichten
Blick auf Haupteingang mit Sitztreppe
Haupt- und Realschule
Im ersten Geschoss des Haupt -und Realschulkomplexes finden sich 5 Klassenzimmer der Hauptschule und im westlichen Teil zwei der Realschule. An den Kopfseiten des Riegels sind Mehrzweck- bzw.
Präsentationsräume angeordnet. Des Weiteren stehen ein Besprechungszimmer, ein Lehr-und Lernmittelraum und ein Freiklassenraum zur Verfügung. Auch hier sind die Lehrer- und Schüler WCs in den
entsprechenden Sanitärkernen zu finden.
Die Räume im 2. Geschoss sind der Realschule zugeordnet. Sie sind in etwa so wie die Räume im 1.Geschoss angeordnet. Hinzu kommen 3 zusätzliche Klassenzimmer im nach Norden hin abzweigenden
Riegel.
Beide Schulen sind im 2.Geschoss über Glasbrücken mit dem Verwaltungs- und Mediothekstrakt verbunden. Hier sind sowohl 2 Lehrerzimmer, Rektor- und Konrektorzimmer sowie das Sekretariat und ein
Lehr- und Lernmittelraum zu finden. Außerdem eine Bibliothek mit Einzelarbeitsplätzen, Computerarbeitsplätzen, Gruppenarbeitsräumen, ein Raum für die Schülermitverantwortung und ein Sanitärbereich.
Die Mediothek ist ein Treffpunkt für Lehrer und Schüler. Die große, teilweise mit Sträuchern begrünte Dachterrasse bildet einen Erholungsraum der zum sonnen, entspannen und lesen im Freien
einlädt.
Über die Treppe gelangt man zurück zum Podest-Level. Hier betritt man einen Ausstellungsbereich, in dem Schüler selbstgefertigte Arbeiten, Kunstwerke, Werkstücke usw. ausstellen können. An ihn ist
der Hausmeisterraum mit Werkstatt angegliedert, von dem aus sich ein guter Überblick über das ganze Schulgelände bietet.
Schnitte und Ansichten
Teilansicht Fassade und Fassadenschnitt
Die Wohnbebauung
Die L-förmigen Gartenhofhäuser, welche eben durch diese Form Entwurfsaspekte des neuen Schulgebäudes aufnehmen, werden über die bereits genannte Spielstrasse erschlossen. Jedes der acht ost-west
ausgerichteten Häuser hat einen Carport. Besucherparkplätze stehen entlang der Spielstrasse zur Verfügung.
Die Häuser sind mit großzügigen, lichtdurchfluteten Grundrissen ausgestattet und haben durch ihren Garten und eine Loggia im Obergeschoss einen hohen Wohnwert.
Die Ansichten der Wohnhäuser sind klar gegliedert. Der Eingangsbereich wird durch eine durchgehende Glasfassade deutlich. Die gewählte zwei-geschossigkeit und ihre weiße Putzfassade fügt sie nahtlos
ins bestehende städtebauliche Bild ein.
Blick auf die Eingangsseite der Gartenhofhäuser mit neuer Schule im Hintergrund
Die Schule bestimmt das Leben wie kaum ein anderes Gebäude in der Kindheit und Jugend. Fünf Tage die Woche dürfen die Schüler die Hälfte des wachen Tages in diesem Gebäude verbringen.
Das Ziel dieser Arbeit war es einen Entwurf zu schaffen der trotz hoher Anforderungen an Raum und Funktionalität kein Gefühl von Schwere sondern eine positive leichte Atmosphäre vermittelt. Helle
Farben, klare Linien und Formen, Bepflanzungen auf jeder Ebene und ein weiter Innenhof schaffen Ausgeglichenheit und Raum zum Atmen.
Die konsequente Verwendung des rechten Winkels und eine einfache Architektursprache sowie eine leichte transparente Bauweise sind die Hauptstilmittel um eine zurückhaltende harmonische Struktur zu
schaffen welche durch dezente Farben und klare Formen ein selbstbewusstes Gebäude entstehen lässt das trotz seiner Größe die bestehende Bebauung nicht dominiert.
Eine flexible Statik garantiert aus funktioneller Sicht, eine Schule die sich auch an die Anforderungen kommender pädagogischer Konzepte wie dem der Ganztagsschule anpassen kann und aus ästhetischer
Sicht eine Schule in der auch ganze Tage verbracht werden können.
Blick in ein Klassenzimmer
Modellfoto
